Meldung aus dem Jahre 2000
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Wichtige
Hinweise
Der Todestrakt leert sich:
Gouverneur des Staates Illinois begnadigt Todeskandidaten
Das von
Gouverneur Ryan im Jahre 2000 eingeleitete Moratorium zieht immer weitere
Kreise. Zuerst stellte eine eingesetzte Kommission zahlreiche Fehler und
Manipulationen in Ermittlungs- und Strafverfahren fest, jetzt zieht der
Gouverneur aus den Ergebnissen der Kommissionsarbeit weitreichende
Konsequenzen.
Vier Häftlinge wurden aufgrund erwiesener Unschuld begnadigt; drei
von ihnen wurden umgehend aus der Haft entlassen. Die Männer befanden sich 12
bis 17 Jahre lang unschuldig im Todestrakt. Ihre Geständnisse wurden
offensichtlich durch Folterungshandlungen der Polizei erpresst. Ryan wörtlich:
"Ich habe diese Fälle überprüft und ich glaube, dass hier Unrecht
geschehen ist und die Verurteilten unschuldig sind." Weiter führte der
Gouverneur aus, dass die vier fälschlicherweise vor Gericht gestellt und zum
Tode verurteilt worden seien.
Dennis Culloton, der Sprecher des Gouverneurs, ließ wissen, dass
Gouverneur Ryan in den letzten Stunden seiner Amtszeit alle in Illinois unter
Todesurteil stehenden Gefangenen zu lebenslanger Haft begnadigen wolle.
Ryan habe insgesamt 156 Begnadigungsanträge überprüft.
Der Gouverneur erklärte in einer einstündige Rede, das
Justizsystem sei "ungenau, ungerecht und nicht in der Lage, die
Unschuldigen von den Schuldigen zu unterscheiden und zeitweise sehr
rassistisch."
Aufgrund seiner mutigen Entscheidungen soll Ryan für die
Verleihung des Friedensnobelpreises vorgeschlagen werden.
Der Amtsnachfolger Ryan*s erklärte, er werde das von seinem
Vorgänger ausgesprochene Moratorium so lange aufrecht erhalten, bis das
Justizsystem gründlich überarbeitet worden und in der Lage sei, die
Unschuldigen von den Schuldigen zu unterscheiden.
Es wird erwartet, dass die Ergebnisse der Untersuchungskommission
sowie die Entscheidungen des Gouverneurs auch auf andere US-Bundesstaaten
Auswirkungen zeigen werden, da die Rechtssysteme nahezu
aller Bundesstaaten ähnliche Probleme aufweisen.
Somit dürfte es den Befürwortern der Todesstrafe wohl in Zukunft
noch schwerer fallen, eine solche Strafform als gerecht und nur den Schuldigen
treffend zu bezeichnen. Gibt es aufgrund der vorliegenden Tatsachen eigentlich
noch eine objektive und sinnvolle Rechtfertigung für die Todesstrafe?
Aktueller Sachstand (Jahr 2006):
Die Todesstrafen-Gesetzgebung in Illinois ist aufgrund der Maßnahmen des
Ex-Gouverneurs Ryan reformiert worden. Nun gelten höhere Anforderungen an die
Ermittler (z. B. Pflicht zur Aufzeichnung von Vernehmungen auf Ton- bzw.
Videoband; Belehrung des Tatverdächtigen über seine Rechte usw.). Ebenfalls
unterliegen auch die Gerichte in ihrer Urteilsfindung höheren Anforderungen, so
dass aufgrund dessen die Verhängung von Todesurteilen erschwert wird.
Aus Sicht der Anti-Todesstrafenbewegung ist dieser Sachstand natürlich wenig
befriedigend, da weiterhin Todesurteile in Illinois möglich sind. Zwar ist
derzeit noch keine Hinrichtung geplant; allerdings hat es zwischenzeitlich
bereits Todesurteile gegeben und man kann davon ausgehen, dass es zur Ansetzung
von Hinrichtungsterminen kommen wird, sobald der derzeitige Gouverneur das zur Zeit noch bestehende Moratorium
aufhebt (und hiermit ist in Zukunft zu rechnen, da der jetzige Amtsinhaber die
Todesstrafe grundsätzlich begrüßt).