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Der Wolf

 Aufgrund der Brisanz dieses Themas habe ich dem Wolf einen eigenen Bereich gewidmet. Es sollte doch in einer zivilisierten Gesellschaft möglich sein, Lösungen für ein friedliches Miteinander von Wolf und Mensch zu finden...

 

"Unruhestifter" Wolf 

Wolf
Lizenzfreies Foto von pixabay.comWolf Lizenzfreies Foto von pixabay.comDerzeit tobt in unserer Gesellschaft die Auseinandersetzung um den Wolf. Wolfsbefürworter und -gegner gehen sich zunehmend aggressiver an. Zum Teil werden regelrechte Hetzkampagnen von den Akteuren losgetreten. Wissenschaftliche Erkenntnisse werden dabei verleugnet oder ignoriert. Wer sich die Mühe macht, sich mit den Ergebnissen wissenschaftlicher Forschung zu befassen, wird zwar feststellen, dass der Wolf kein Kuscheltier ist und durch ihn auch immer wieder wenige Menschen zu Tode kamen und kommen. Man wird aber auch zu der Erkenntnis gelangen, dass die Gefahr für Mensch und Tier äußerst gering ist, wenn bestimmte Maßnahmen konsequent ergriffen und eingehalten werden. Und letztlich sollte man auch bedenken, dass unser Leben insgesamt mit diversen Risiken verbunden ist (auch der bislang friedliche Familienhund kann unter ungünstigen Umständen zubeißen - aber betrachtet man ihn deshalb generell als unverhältnismäßiges Sicherheitsrisiko und fordert seine Beseitigung?).

Es scheint so, dass manche Jäger, die gegen den Wolf Stellung beziehen, sich weniger um den Tier- und Menschenschutz sorgen, sondern im Wolf einen Beutekonkurrenten wittern, der ihnen die Beute und somit die Freude an der Jagd streitig macht. Aus Sicht einiger Jäger ist es unerfreulich, wenn die Abschussquoten gesenkt werden müssen, um das Nahrungsangebot des Waldes für den Wolf aufrecht zu erhalten.

Viele Weidetierhalter sehen im Wolf vor allem einen Kostenfaktor. Bislang war es möglich, relativ kostengünstig und bequem Weidetiere zu halten, ohne diese vor Wildtieren schützen zu müssen. Mit der Wiederansiedlung des Wolfes aber muss in den Weidetierschutz investiert werden. Das erhöht die Kosten.

Politiker, die ein Ende der Wolfsansiedlung oder zumindest ein sehr restriktives Wolfsmanagement fordern, fassen meistens die nächste Kommunal-, Landtags- oder Bundestagswahl ins Auge und möchten sich für die entsprechenden Bevölkerungsgruppen als Macher profilieren und wählbar machen.

Jäger, Weidetierhalter und Politiker - sofern sie Wolfsgegner sind oder sich als solche bezeichnen - bemühen sich unermüdlich, die Bevölkerung gegen die Wiederansiedlung des Wolfes zu mobilisieren. Dazu bedienen sie sich z. B. des Arguments, der Wolf würde Menschen aus reiner Mordlust oder zu Ernährungszwecken reißen und ein hohes Sicherheitsrisiko für die Bevölkerung darstellen. 

Eine solche Argumentation lässt sich objektiv nicht aufrecht erhalten. Es ist davon auszugehen, dass die meisten Menschen in früheren Zeiten den Wolf als größten Nahrungskonkurrenten sahen. Insbesondere in bestimmten Lagen (Krieg, Naturkatastrophen) wurde die Ernährungslage schwierig, und in dieser Situation machte der Wolf den Menschen die ohnehin schon knappe Nahrung streitig. Hinzu kam, dass bei Naturkatastrophen und strengen Wetterlagen (z. B. harte, lange Winter) auch der Wildtierbestand des Waldes dezimiert wurde bzw. die potentiellen Beutetiere sich nicht ohne weiteres durch den Wolf aufspüren ließen. Wenn diesem Beutejäger also aufgrund solcher außergewöhnlicher Umstände die tierische Beute ausging, verschmähte er auch menschliche nicht. Ebenso muss in der Gesamtnachschau berücksichtigt werden, dass in früheren Zeiten die Tollwut unter Wölfen weit verbreitet war, so dass viele Menschen von tollwütigen Tieren getötet wurden. Nicht zuletzt spielt auch die Provokation gegenüber Wölfen – ausgehend vom Menschen - eine Rolle.

Der wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages erstellte zu dieser Thematik eine Dokumentation mit dem Titel „Wolfsangriffe in Europa, Russland, Asien und Nordamerika“ (WD 8 – 3000 – 041/18 vom 11.05.2018) auf Grundlage einer Studie des norwegischen Institutes für Naturforschung. Hierin wird zwar festgestellt, dass viele Menschen in den vergangenen Jahrhunderten von Wölfen getötet worden sind. Sie kommt jedoch auch zu dem Schluss, dass die meisten Übergriffe auf Menschen von tollwütigen oder provozierten Tieren begangen wurden und das Risiko für den Menschen, durch einen Wolfsangriff ums Leben zu kommen, sehr gering ist. Dies gilt insbesondere dann, wenn der Wolf ein ausreichendes Nahrungsmittelangebot vorfindet, keine Krankheiten wie die Tollwut grassieren und das Tier nicht provoziert wird. Menschen fallen nicht in das Spektrum der normalen Beute des Wolfes, führt die Dokumentation weiter aus. Sie weist zudem darauf hin, dass „Wölfe in Bezug auf ihre Größe und ihr räuberisches Potential zu den am wenigsten gefährlichen Tieren gehören...“

Die Schlussfolgerung daraus ist somit, dass der Wolf in unseren Breitengraden nur dann noch gefährlich ist, wenn er provoziert wird, an Tollwut leidet oder nicht mehr ausreichend Nahrung vorfindet. Da aber in unseren Wäldern ein reichhaltiges Nahrungsangebot besteht und die Tollwut ausgerottet ist, stellt der Wolf für den Menschen kein großes Risiko mehr dar. Es sei denn, er wird durch den Menschen provoziert.

Für diese Einschätzung spricht auch die Tatsache, dass in „sicheren“ Zeiten, in denen Nahrung in ausreichendem Maße vorhanden ist und die Tollwut keine Rolle mehr spielt, nur wenige Wolfsangriffe dokumentiert sind.

Das ohnehin schon geringe Risiko für Schäden an Mensch und Tier durch Wolfsangriffe lässt sich laut Dokumentation weiter reduzieren, wenn folgende Empfehlungen beachtet werden:

Wölfe wild halten. Der enge Kontakt zu Menschen ist zu meiden. Tiere mit natürlicher Scheu vor dem Menschen greifen nicht an, sondern ergreifen die Flucht. Wenn ein Wolf hingegen keinerlei Scheu vor dem Menschen zeigt, muss er aus dem Bestand entnommen, d. h. getötet werden.

Beute. Es muss dafür gesorgt werden, dass ausreichend Beutetiere in den Wäldern vorhanden sind. Ist das Nahrungsangebot ausreichend, zieht der Wolf tierische Beute der menschlichen vor. Gegebenenfalls müssen die Abschussquoten für Jäger reduziert werden. Daraus resultiert m. E. auch die Erkenntnis, dass weniger Weidetiere angegriffen werden, wenn der Wildtierbestand in den Wäldern ausreichend ist.

Aktionspläne. Es muss ein geordnetes Verfahren vorhanden sein, in dem abgeklärt ist, wie mit aggressiven und zutraulichen Wölfen umgegangen wird. M. E. muss außerdem die finanzielle Unterstützung von Weidetierhaltern weiter ausgebaut werden, um wirksame Schutzmaßnahmen für Weidetiere zu ermöglichen und die Akzeptanz des Wolfes unter den Weidetierhaltern zu fördern.

Tollwut. Es muss sichergestellt werden, dass die Tollwut auch in Zukunft in unseren Breitengraden keine Rolle spielt. Insbesondere bei Haushunden und wilden Tieren muss auf eine konsequente Tollwutbekämpfung geachtet werden, um das Risiko tollwütiger Wölfe weiter zu senken.

Der Wolf ist ein Raubtier, das – wenn o. g. Empfehlungen in die Tat umgesetzt werden – nur ein geringes, kontrollierbares Risiko für Mensch und Tier darstellt. Dieses geringe Risiko rechtfertigt jedoch nicht die Ausrottung oder Vergrämung des Tierbestandes. 77 Prozent der Befragten einer forsa-Umfrage im Auftrag des Naturschutzbundes Deutschland e. V. (NABU) finden die Wiederansiedlung des Wolfes erfreulich. 65 Prozent der Befragten empfinden die in den Medien dargestellten Risiken als übertrieben dargestellt.

 

Quellen und Zitate:

  •  Dokumentation „Wolfsangriffe in Europa, Russland, Asien und Nordamerika“ (WD 8 – 3000 – 041/18 vom 11.05.2018) des wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestages
  • Naturschutzbund Deutschland e. V. (www.nabu.de/news(2021/04/29860.html)
  • Foto: www.pixabay.com (lizenzfreie Fotos)

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